Mit dem Projekt „MI(N)TGEDACHT im Handwerk – Mädchen. Ideen. Vielfalt.“ entsteht im Familienbundzentrum Mondsee ein außergewöhnlicher Bildungsraum, der weit über klassische Wissensvermittlung hinausgeht. Im Mittelpunkt steht dabei ein klarer Anspruch: Mädchen frühzeitig für technische und handwerkliche Berufe zu begeistern – insbesondere für jene Bereiche, die nach wie vor stark männerdominiert sind.
Kern des Projekts ist ein gemeinsam entwickelter MINT-Erlebnisraum in Form eines multifunktionalen Spielehauses. Doch es geht um weit mehr als ein Bauwerk: Der Turm steht symbolisch für neue Zugänge zu Bildung, für Chancengleichheit und für gelebte Inklusion. Mädchen sollen hier nicht nur zuschauen, sondern aktiv gestalten, ausprobieren und ihre eigenen Fähigkeiten entdecken. Gerade in Berufen wie Holzbau oder Technik, in denen Frauen noch unterrepräsentiert sind, ist es entscheidend, Hemmschwellen früh abzubauen und positive Erfahrungen zu ermöglichen.
Ein besonderer Fokus liegt daher auf praxisnahen Workshops, in denen Mädchen der Mittelschule Mondsee direkt in der Holzbaufirma Jakob Ebnerbau GmbH handwerkliche Tätigkeiten selbst erleben können – etwa beim Arbeiten mit Holz, beim Planen kleiner Bauprojekte oder im direkten Austausch mit Fachkräften aus regionalen Betrieben. Diese Begegnungen schaffen nicht nur greifbare Einblicke in die Berufswelt, sondern stärken auch das Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen. Sie erleben sich als kompetent, kreativ und technisch versiert – Eigenschaften, die ihnen oft gesellschaftlich weniger selbstverständlich zugeschrieben werden.
Gleichzeitig setzt das Projekt ein starkes Zeichen für Inklusion. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten gemeinsam an der Umsetzung, bringen ihre Ideen ein und gestalten den Erlebnisraum aktiv mit. Dadurch entsteht ein Ort, an dem Vielfalt nicht nur thematisiert, sondern gelebt wird. Die gemeinsame Arbeit fördert soziale Kompetenzen, gegenseitigen Respekt und ein Verständnis dafür, dass unterschiedliche Fähigkeiten eine Bereicherung darstellen.
Besonders bemerkenswert ist der durchgängige Bildungsansatz: Bereits im frühen Kindesalter wird angesetzt, um Interesse für MINT-Themen zu wecken. Denn Studien und Erfahrungen zeigen, dass Berufsbilder und Selbstbilder oft schon sehr früh geprägt werden. Genau hier setzt das Projekt an, indem auch der Kindergarten Loibichl und die Volksschule Tiefgraben – St. Lorenz jeweils mit einer Exkursion eingebunden sind. Spielerische Zugänge, Naturbeobachtungen und erste handwerkliche Erfahrungen legen den Grundstein für spätere Interessen. Die Volksschule begleitet diesen Prozess weiter, indem kreative Elemente und erste technische Zusammenhänge vermittelt werden – jedoch eher am Rande des Gesamtprojekts.
Ein zentrales Instrument stellt zudem die sogenannte „Lehrlingsbox“ dar. Sie ermöglicht es, Werkzeuge und Materialien direkt in den Bildungsalltag zu integrieren und praktische Erfahrungen nachhaltig zu verankern. So bleibt das Projekt nicht auf einen einmaligen Impuls beschränkt, sondern wirkt langfristig in die Region hinein.
„MI(N)TGEDACHT im Handwerk“ zeigt eindrucksvoll, wie moderne Bildungsarbeit aussehen kann: vernetzt, praxisnah und bewusst inklusiv. Vor allem aber macht das Projekt deutlich, wie wichtig es ist, Mädchen so früh wie möglich für technische Berufe zu begeistern. Denn nur wer sich etwas zutraut und sich angesprochen fühlt, wird diesen Weg auch einschlagen. Hier entsteht ein Raum, in dem genau das möglich wird – und damit ein wichtiger Beitrag für mehr Vielfalt und Chancengleichheit in der Arbeitswelt von morgen.
Bild: Die engagierten Mädchen der MS Mondsee mit Baumeister Anton Ebner bei der Planbesprechung


